Wissenschaftliche Hintergründe zu den Trolligen Freunden
Emotionale Intelligenz und ihre Wichtigkeit
Zu lernen, mit den Gefühlen im eigenen Inneren umzugehen wird in der Psychologie als emotionale (selbst)Regulation bezeichnet (vgl. z.B. Edwards und Pinna 2020: 2). Das Wort emotionale Intelligenz drückt eine besondere Kompetenz in diesem Bereich aus. Nach einer langen historischen Periode, in der Gefühlen wenig Bedeutung beigemessen wurde (sie galten als unerwünschtes Gegenteil der Rationalität) (vgl. Meßmer 2017, Sanyal 2017), steigt die Bedeutung, die emotionaler Intelligenz gegeben wird in den letzten Jahren rasant an (vgl. von Hehn und Rauls 2023: 28). Studien zeigen, Menschen die Kompetenz im Umgang mit ihren eigenen Gefühlen entwickeln sind weniger Burnout gefährdet, weniger anfällig für Depressionen, Herz-Kreislaufprobleme und anderen Krankheiten, sie sind stressresistenter, Zufriedener, erfolgreicher und leben um die 5 Jahre länger (vgl. Ashrafian et al. 2024; Deham; Bassett und Zinsser 2012; Hu; Zhang und Wang 2014). Zu lernen mit Gefühlen umzugehen, erscheint als ein Schlüssel zu einem glücklichen Leben.
Von positiven und nagativen Gefühlen zu angenehmen und unangenehmen Gefühlen
Gleichzeitig ist die Forschung über Gefühle relativ jung und in der Entwicklung begriffen. Während wissenschaftliche Artikel noch vor wenigen Jahren von positiven und negativen Gefühlen sprachen (Deham, Bassett, Zinsser 2012; Hu; Zhang und Wang 2014), wird immer klarer, dass es keine positiven und negativen, sondern angenehme und unangenehme Gefühle gibt (vgl. von Hehn und Rauls 2023: 61). Ob ein Gefühl (beispielsweise Trauer) als angenehm oder als unangenehm empfunden wird, ist von Situation zu Situation, Person zu Person ja oft von Moment zu Moment verschieden.
Gefühle haben eine Botschaft
Das Unterdrücken von unangenehmen Gefühlen ist kulturell weit verbreitet, obwohl dessen negative Auswirkungen auf mentale und physische Gesundheit belegt sind. Denn: „Ignoriert oder unterdrückt man dauerhaft eigene Emotionen, verliert man langfristig wichtige Elemente von Lebendigkeit, da das Erleben aller – auch der gewünschten – Emotionen gedämpft wird, wenn man auch nur ein oder zwei Emotionen »auszusperren« versucht“ (von Hehn und Rauls 2023: 65).
Emotionale Kompetenz ist das Gegenteil von Unterdrückung, vielmehr zeichnet sie sich durch einen wertschätzenden, akzeptierenden, neugierigen Umgang mit Gefühlen aus (vgl. Edwards und Pinna 2020: 11). Denn Gefühle „liefern wertvolle Informationen, ob man sich einem gewünschten »Soll-Zustand« nähert oder sich davon entfernt“ (von Hehn und Rauls 2023: 62). Jedes Gefühl trägt eine wichtige Botschaft, Gefühle möchten uns mitteilen, ob wir im Einklang mit uns sind oder nicht und uns so helfen, gut durchs Leben zu navigieren. Menschen, die Gefühle (langfristig) unterdrücken, bestimmte Gefühle nicht akzeptieren oder (zunächst) gar nichts mehr fühlen können, fehlen also wichtige Informationen zu sich selbst, was ein Leben im Einklang mit den eigenen Werten erschwert.
Ein Beispiel: Wenn ein Kind lernt, dass seine Wut zu Ausgrenzung führt, kann es sein, dass es als Überlebensstrategie Wut aus dem Repertoire seiner Gefühle ausschließt. So wächst ein Mensch heran, der keine Wut spürt, so als würde es Wut nicht geben. Wut aber ist Träger einer wichtigen Botschaft, sie möchte uns beispielsweise vermittelnt, dass unsere Grenzen verletzt wurden und uns dazu ermutigen, uns für uns einzusetzen. Wenn diese Botschaft nicht mehr übermittel wird, fällt es schwer, die eigenen Grenzen zu wahren, was zu Spannungen und Konflikten führen kann. Ähnlich ist es mit anderen kulturell abgewerteten Gefühlen wie z.B. Trauer, Sorge und Angst.
Generell lässt sich sagen: Je stärker Gefühle verneint und blockiert werden, desto schwieriger ist es also, kreative Lösungen zu finden, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren und ein Leben im Einklang mit sich selbst und den eigenen Werten zu führen.
Wie also können wir eine gute Beziehung zu unseren Gefühlen aufbauen und lernen, ihre Botschaften zu verstehen? Und wie können wir Kinder dabei unterstützen, gute, souveräne Beziehungen zu ihren Gefühlen zu entwickeln, so dass ihr innerer Kompass intakt bleibt?
Studien gehen davon aus, dass emotionale Bildung in den kommenden Jahren einen wichtigen Teil der schulischen Bildung ausmachen wird (vgl. von Hehn und Rauls 2023: 28; Grund und Horst 2023). Doch obwohl die positiven Auswirkungen von emotionaler Bildung auf die Entwicklung von Kindern belegt sind, findet sie in Schulen nach wie vor kaum statt (vgl. Grund und Horst 2023: 7). Ein Grund dafür ist, dass die Lehrenden Personen oft selbst nicht wissen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen können (vgl. Hoffmann et al. 2020: 106).
(Dieser Text ist gerade noch im Entstehen begriffen. Schau doch in ein paar Tagen noch mal vorbei, vielleicht ist er dann fertig).
Literaturverzeichnis
Ashrafian, Sarah; Schüssel, Katrin; Weirauch, Henriette; Schlotmann, Andreas ; Brückner, Gabriela und Schröder, Helmut (2024): Gesundheitsatlas Deutschland, Depressionen. Berlin.
Edwards, Darren und Pinna, Thomas (2020): A Systematic Review of Associations Between Interoception, Vagal Tone, and Emotional Regulation. Potential Applications for Mental Health, Wellbeing, Psychological Flexibility, and Chronic Conditions. In: Frontiers in Psychology, Volume 11, S. 1-15.
Grund, Julius und Host, Jorrit (2023): Emotional competence: The missing piece in school curricula? A systematic analysis in the German education system. In: International Journal of Educational Reserach Open. Nr. 4. S. 1-9.
Von Hehn, Svea und Rauls, Joahnna (2023): Achtsamkeit und emotionale Intelligenz in Organisationen. Agiles Arbeiten in Teams und Organisationskultur der Zukunft. Freiburg.
Hoffmann, Jessica, Brackett, Marc, Bailey, Craig und Willner, Cynthia (2020): Teaching Emotion Regulation in Schools: Translating Research Into Practice With the RULER Approach to Social and Emotional Learning. In: Maerican Psychological Assoiation. Vol. 20, Nr. 1, S. 105-109.
Hu, Tianqiang; Zhang, Dajun und Wang, Jinliang (2014): Relation between Emotion Regulation and Mental Health: A Meta-Analysis Review. In: Psychological Reports. Measures and Statistics, Vol 114, Nr. 2 S. 341-362.